< Mit den Fingern fühlen - mit der Haut wahrnehmen
13.01.2023 10:03 Alter: 15 days

Hörtraining für Erwachsene


Hörtraining für Erwachsene

Mit Hörgeräten gut zu hören und zu verstehen erfolgt nicht auf Knopfdruck, sondern ist ein langandauernder Prozess, der vom Träger viel Geduld erfordert: Die neuen Höreindrücke mit den Hörgeräten sind in der Tonhöhe und Lautstärke sowie im Klang völlig anders, als sie einmal gelernt worden waren. Geräusche sind plötzlich sehr laut, Stimmen klingen gedämpft oder blechern und an eine Unterhaltung im Auto oder Bus ist sowieso nicht zu denken, da der Gesprächspartner entweder vorne oder neben einem sitzt, das Mundbild fehlt und die Umgebungsgeräusche stören.

Es müssen die alten Hörmuster im Gedächtnis (Hörzentrum) mit den neuen verknüpft werden und die vielfältigen Höreindrücke müssen neu bewertet und gespeichert werden. Dieser Prozess des Umlernens und Neulernens ist ein langfristiger und oft mühsam. Neulernen allein ist nicht so anstrengend.

Um das Gehirn rasch an diese neue Art des Hörens zu gewöhnen, hilft aber auf Dauer nur Eines: das Tragen der Hörgeräte zu allen wachen Stunden! Nur mit einer möglichst langen Tragedauer schafft es das Gehirn, sich ein sicheres Hörarchiv anzulegen.

Dennoch können trotz erfolgter Eingewöhnungsphase Schwierigkeiten bestehen bleiben, erfahrungsgemäß ist meist das Sprachverstehen (mit Hintergrundlärm, in einer Gruppe oder bei größerer Entfernung) betroffen.

Die Abteilung Therapie am LZH bietet bei anhaltenden Schwierigkeiten Beratung, Unterstützung und Begleitung. Dies ist im Rahmen einer Einzeltherapie möglich, aber auch im Rahmen eines Gruppenhörtrainings, welches immer wieder bei uns angeboten wird.

In einer Kleingruppe werden zuerst Bedürfnisse konkretisiert, Erwartungen angepasst und zahlreiche Übungen durchgeführt. Die Übungen für zuhause kommen auch nicht zu kurz! Diese sind sehr vielfältig und reichen vom einfachen „Sich selber laut vorlesen“, speziellen Übungen zur Lautunterscheidung, Hören im Störschall, bis zur Arbeit mit Hörbüchern oder Hörtrainings-App und auch Telefontraining.

Wohltuend sind, laut Rückmeldungen aus früheren Kursen, auch die Pausengespräche, in welchen sich die Betroffenen austauschen können und sie auf gegenseitiges Verständnis treffen. Diese Akzeptanz empfinden viele als entlastend und wohltuend.

Ganz nach dem Leitbild des LZH, „Ziel unseres Wirkens ist es, Menschen zum Erblühen zu bringen und nicht so sehr, Dinge zu perfektionieren“, weisen wir unsere Klient*innen immer wieder darauf hin, dass viele Stolpersteine auch Guthörende betreffen! Wir ermuntern sie auch immer dazu, ihre Behinderung nicht zu verstecken und ihre Umwelt darauf hinzuweisen.

Schwerhörig zu sein bedeutet nämlich nicht, ein schlechter Hörender zu sein, der ständig um Anpassung kämpfen muss. Unsere Klient*innen haben ein Recht darauf, schwerhörig zu sein und selbstbewusst für ihre Bedürfnisse einzustehen (UN-Behindertenrechtskonvention)!

Elisabeth Zlimnig
Logopädin, Schriftdolmetscherin